pfingstgemeinde interlaken

Predigtserie "7 Sendschreiben" - 1. Ephesus


»Dem Engel der Gemeinde in Ephesus schreibe. Dies sagt, der die sieben Sterne in seiner Rechten festhaelt und wandelt inmitten der sieben goldenen Leuchter. Ich kenne deine Taten und die Muehe und dein Durchhalten, und dass du die Boesen nicht ertragen kannst. Und du hast diejenigen geprueft, dich sich selbst Apostel nennen und es nicht sind und hast sie als Luegner entlarvt. Du hast durchgehalten und meinen Namen getragen und bist nicht muede geworden. Aber ich habe gegen dich, dass du die erste Liebe verlassen hast. Gedenke also, wovon du gefallen bist, aendere deine Gesinnung und tue die ersten Taten. Sonst komme ich zu dir und entferne deinen Leuchter von seinem Platz, wenn du nicht deine Gesinnung aenderst. Aber dies hast du, dass du die Taten der Nikolaiten hasst, die auch ich hasse. Wer Ohren hat, der hoere, was der Geist den Gemeinden sagt. Wer siegreich ueberwindet, dem wird gegeben werden, von dem Baum des Lebens zu essen, der im Paradies Gottes steht.« (Offenbarung 2:1-7 )

Ephesus war nicht nur das Zentrum der missionarischen Bemuehungen von Paulus in den Jahren 52-55 nach Christus, sondern auch das wirtschaftliche, politische, religioese und militaerische Zentrum der ganzen Gegend. In dieser Stadt, die damals etwa eine halbe Million Einwohner hatte, liefen die Faeden zusammen. Durch ihren Hafen war sie ein Knotenpunkt fuer die Wirtschaft, als Sitz des roemischen Statthalters eine roemische Metropole und durch den Tempel der Goettin Artemis oder Diana (der zu den sieben Weltwundern der Antike gezaehlt wurde) ein religioeses Zentrum. Ephesus wurde mit Jerusalem und Athen zu den drei heiligen Staedten des roemischen Imperiums gezaehlt. Hier war also im wahrsten Sinne des Wortes etwas los. Paulus hatte durch seinen apostolischen Dienst in Ephesus mitgeholfen, eine starke und vermutlich auch sehr grosse Gemeinde aufzubauen, die dann mithalf, die gesamte Gegend mit dem Evangelium zu erreichen. Der Brief an die Gemeinde in Ephesus zeugt auch von der geistlichen Qualitaet und Reife, die diese Gemeinde besass (keine Korrektur!)

Nun liegt aber ein weiteres Schreiben an diese Gemeinde vor uns. Paulus ist schon seit Jahren tot, hingerichtet in Rom und seit seinem Besuch in Ephesus sind fast fuenfzig Jahre vergangen. Der Apostel Johannes, ein wahrhaftig uralter Mann, sitzt gefangen auf der Straeflingsinsel Patmos und begegnet dort dem Herrn Jesus Christus. Er empfaengt eine gewaltige Vision, die Offenbarung und darin eingeschlossen die sieben Sendschreiben an die Gemeinden. Der auferstandene und erhoehte Herr der Herren und Koenig der Koenige spricht von seinem Throne aus seine Gemeinden an, er beurteilt sie, deckt auf und ermutigt sie. Es sind somit zeitlose Worte des lebendigen Herrn auch an uns, seine Gemeinde heute.

Wie ich schon bei der Beschreibung der Stadt Ephesus erwaehnte, faellt uns auf, dass Aktivitaeten eine grosse Rolle spielen. Es war schon immer so, dass die Umgebung, in der wir leben, eine praegende Rolle auf uns hat. Die Hektik, die Aktivitaeten und das pulsierende leben der Stadt Ephesus hat auch die dortige Gemeinde gepraegt. Es war keine ruhige, besinnliche Gemeinde, sondern eine hektische, aktive, mit einem vollen Gemeindeprogramm. Jesus Christus selbst sagt: »Ich kenne deine Taten und die Muehe und dein Durchhalten, und dass du die Boesen nicht ertragen kannst.Du hast durchgehalten und meinen Namen getragen und bist nicht muede geworden.« Die hier verwandten Worte im Griechischen sprechen von Handlungen, Leistung, sich abmuehen, von Aktivitaeten. Ephesus scheint eine sehr aktive Gemeinde gewesen zu sein, die sich ihre Aktivitaeten auch etwas kosten liess an Hingabe, Muehe, Schweiss und Durchhalten.Sie haben erkannt, dass auch im Reich Gottes durch Nichtstun nichts geschieht. Unsere Aktion und Arbeit ist durchaus gefragt. Jesus Christus sagt durchaus nicht, dass die Aktivitaeten der Epheser falsch oder schlecht gewesen waeren. Er tadelt sie nicht wegen ihren (vielleicht sogar zu ueberladenen) Aktivitaeten.

Doch die Hingabe an die Arbeit birgt auch Gefahren. Und hier muss nun Jesus Christus korrigierend einsetzen: »Aber ich habe gegen dich, dass du die erste Liebe verlassen hast.« Das Aktivsein, die Investition in die Aufgaben birgt in sich so schnell die Gefahr, dass es Routine wird. Man tut es, ohne sich laenger bewusst zu sein, warum eigentlich! Die Arbeit muss getan werden, doch die Motivation dahinter ist Pflichterfuellung und nicht eine tiefe Liebe, eine Begeisterung. Man betet, liest die Bibel, besucht die Gottesdienste und Gemeindeveranstaltungen, man kann sogar in einer Mitarbeit stehen, doch da ist keine Liebesbeziehung zum goettlichen Arbeitgeber, zu Jesus Christus, keine heilige Begeisterung, kein Brennen mehr fuer das Reich Gottes! Man tut es halt einfach mangels besserer Alternativen!

Eine solche Gemeinde ist durchaus eine lebendige, eine aktive Gemeinde, doch sie ist keine erweckte Gemeinde! Und darum legt Jesus Christus seinen Finger auf diesen wunden Punkt, um zu korrigieren, zu heilen, wiederherzustellen.»Gedenke also, wovon du gefallen bist, aendere deine Gesinnung und tue die ersten Taten.« Der Ausweg aus diesem Dilemma lautet Busse, Gesinnungsaenderung. Erkenne, was du verloren hast, dass du in die falsche Richtung marschierst und kehre um, aendere deine Meinung, dein Denken, deine Gesinnung, anerkenne, was Gott sagt. Und nicht nur hier oben soll die Veraenderung geschehen, sondern auch ganz praktisch: »Tue die ersten Taten oder Werke!« Handle wieder aus dieser ersten Liebe heraus, dieser heiligen Begeisterung. Weisst du noch, wie du damals der ganzen Verwandtschaft und Nachbarschaft auf den Wecker gegangen bist, weil du ununterbrochen von Jesus Christus geschwaermt hast? Weisst du noch, wie du die Bibel verschlungen hast, wie du wie ein kleines Kind alles mit deinem himmlischen Papi im Gebet besprochen hast, in kindlicher Einfalt mit einfachen Worten, nicht so hochgestochen theologisch wie heute? weisst du noch, wie du kaum erwarten konntest, die naechste Gemeindeveranstaltung besuchen zu koennen, die Geschwister zu treffen? Das waren die ersten Taten und Werke, hinter denen die erste Liebe und Begeisterung als Motivation standen. Und genau das will der Herr in dir heute wiederherstellen. Denn eine leistungsorientierte Welt um uns herum will nicht blosse Aktion aus Pflichterfuellung sehen, sondern sie wird sich verwundert die Augen reiben ueber die Leistung, die aus einer tiefen Liebe, aus einer heiligen Begeisterung heraus geboren wurde. Niemand klagt Verliebte wegen ihren manchmal rekordverdaechtigen Leistungen an, sondern man schmunzelt, freut sich mit und sehnt sich im tiefsten Herzen danach, selbst so etwas wieder erleben zu duerfen. Genau das hat Jesus gemeint und er haengt noch eine weitere Warnung an: »Sonst komme ich zu dir und entferne deinen Leuchter von seinem Platz, wenn du nicht deine Gesinnung aenderst.« Der Leuchter steht fuer das Licht, fuer die Offenbarung, die unser Leben erleuchten und fuehren will, fuer die Stimme und Leitung des heiligen Geistes. Wo wir in Aktivitaeten mit der falschen Motivation verharren, ohne die erste Liebe, ohne Begeisterung fuer Jesus, da verlieren wir die Offenbarung, die Fuehrung Gottes. Da werden Dinge ihrer selbst wegen getan, entstehen Sachzwaenge, investieren wir Kraft, Zeit und Geld in Dinge, die dem aeusseren Schein nach noch christlich sind, aber nicht mehr so von Gott gewollt und damit Reich Gottes Angelegenheiten sind. Es steht sehr viel auf dem Spiel!

Jesus Christus sagt nicht, dass unsere Aktivitaeten falsch sind. Aber wir sollen die Motivation dahinter pruefen. Warum lebe ich als Christ, warum tue ich dies und das? Ist es die tiefe Liebe zu Jesus Christus, eine heilige Begeisterung oder etwas anderes? Gott moechte dir heute helfen, dich neu zu verlieben, neu erfuellt zu werden mit dem goettlichen Feuer der Begeisterung!

Alle zitierten Bibelstellen stammen aus einer eigenen Uebertragung aus dem griechischen Grundtext

David Kleist


© by new ways ministries, 1994

einfuehrung / inhaltsverzeichnis