pfingstgemeinde interlaken

Predigtserie "7 Sendschreiben" - 2. Smyrna


»Und dem Engel der Gemeinde in Smyrna schreibe: Dies sagt der Erste und der Letzte, der tot war und ist wieder lebendig. Ich kenne deine Truebsal und Armut - doch du bist reich - und die Verleumdungen, von denen, die sagen, sie seien Juden und sind es nicht, sondern eine Versammlung des Satans. Und fuerchte dich nicht wegen dem, was du leidest. Der Teufel ist jedoch im Begriff, einige von euch ins Gefaengnis zu werfen, damit ihr geprueft werdet und Truebsal habt zehn Tage lang. Halte Treue bis zum Tod und ich gebe dir die Krone des Lebens. Wer Ohren hat, der hoere, was der Geist den Gemeinden sagt. Wer siegreich ueberwindet, der wird nimmermehr Unrecht erleiden durch den zweiten Tod.« (Offenbarung 2:8-11 )

Das zweite Sendschreiben in der Offenbarung richtet sich an die Gemeinde in Smyrna. Der Bestimmungsort dieses Schreibens, die Stadt Smyrna liegt etwa 60 Kilometer noerdlich von Ephesus, dem Empfaenger des ersten Sendschreibens in der heutigen Tuerkei. Smyrna war vermutlich eine Gemeinde, die von der Muttergemeinde in Ephesus gegruendet worden war. Die Stadt selbst war nach Plaenen von Alexander dem Grossen erbaut worden und galt als eine der schoensten in ganz Kleinasien. Durch ihre bevorzugte Lage an der Handelsroute zwischen dem Orient und Rom war Smyrna auch eine reiche Stadt, die Hauptstrasse wurde "Goldstrasse" genannt und einige praechtige Tempel dokumentierten diesen Reichtum auch aeusserlich. Smyrna hatte seit der Zerstoerung Jerusalems eine starke und einflussreiche juedische Bevoelkerung und sie war ausserdem ein Zentrum der Kaiserverehrung, ein dem Kaiser Tiberius geweihter Tempel war der groesste Stolz der Stadt. Smyrna ist anders als Ephesus im Laufe der letzten 1900 Jahre nicht untergegangen und heisst heute Izmir.

Die Gemeinde in Smyrna litt sehr an ihren aeusseren Umstaenden. Im Gegensatz zu anderen Gemeinden, die wir in unserer Betrachtung der Sendschreiben noch betrachten werden, hatte sie keinen Anteil am Reichtum der Stadt und auch kein Ansehen, sondern sie war hart bedraengt, arm und litt unter Verfolgungen und nicht wenige unter ihnen war bereits einen gewaltsamen Tod als Maertyrer gestorben. Die Verfolgung hatte zwei Gruende. Da war auf der einen Seite der Kaiserkult, bei dem gefordert wurde, im Tempel zu Ehren des Kaisers ein bescheidenes Opfer zu bringen mit der Proklamation: "Caesar ist Gott!" Eine scheinbar harmlose Zeremonie, doch die Christen in Smyrna und auch anderenortes weigerten sich, den Kaiser als Gott zu verehren und wurden damit zu Staatsfeinden, die zum Tode verurteilt waren. Und das zweite war die Praxis der "zehn Prozente". Damit ist nicht die biblische Praxis des Zehnten gemeint, sondern die gemeine, daemonische Verdrehung dieses biblischen Segens. Wenn jemand einen "Ketzer" oder "Staatsfeind" bei der roemischen Provinzverwaltung anzeigte und dessen "Schuld" bewiesen werden konnte, dann erhielt der Denunziant zehn Prozent des Besitzes und Eigentums des Verurteilten. Die restlichen 90% sackte natuerlich der roemische Staat ein. Auf diese Weise verloren viele Christen ihr Eigentum und schlussendlich sogar ihr Leben! Zu dieser Gemeinde, in diese Situation der menschlich unmoeglichen Umstaende spricht nun der Auferstandene Jesus Christus, der alles vom Anfang bis zu Ende in seinen Haenden haelt und sagt: »Ich kenne deine Truebsal und Armut - doch du bist reich!« Wir sind vermutlich nicht dann stark, wenn wir uns stark fuehlen oder die groessten Gewichte im Fitnesszentrum auflegen koennen, sondern wenn wir uns schwach fuehlen. Weil wir dann endlich an dem Punkt stehen, wo wir zugeben, dass wir es nicht alleine schaffen. Weil wir erst an diesem Punkt der Kapitulation Gott erlauben, an uns, mit uns und durch uns das zu tun, was Er eigentlich will! Wir sind auchdann nicht reich, wenn wir materielle Gueter besitzen, ein gut ausgestattetes Bankkonto, vielleicht noch Liegenschaften und was weiss ich nicht was unser eigen nennen. Der Besitz von Geld, egal wieviel, macht uns nicht reich, ebensowenig wie der Mangel an Geld uns arm macht! Reich sind wir dann, wenn der Schoepfergott dieses Universums uns sagen kann: »Ich werde dir geben...Kein Unrecht erleiden durch den zweiten Tod!« Denn der erste, der physische Tod wird uns von allem Besitz, allem Geld und allem Materiellen unweigerlich trennen. Ob du der reichste Mann der Erde oder der aermste Schlucker bist, du wirst nichts, gar rein nichts mitnehmen. Aber wie reich ist der Mann, der die Krone des Lebens empfaengt nach dem Tod und dem kein Leid durch den zweiten Tod, die endgueltige und ewige Trennung von Gott geschieht! Ich fuerchte, wir sind in unserer Kultur so "arm", weil wir so stark auf den materiellen Besitz fixiert sind! Darum ist unser geistliches Leben so lau, ist unsere Beziehung zu Gott so langweilig und sind unsere Gemeinden so kraftlos und unbedeutend.

»Ich kenne...die Verleumdungen, von denen, die sagen, sie seien Juden und sind es nicht.« Anscheinend verweigerten die in Smyrna ansaessigen Juden den Christen, die ja mit ihnen denselben Gott der Vaeter anbeteten, die Gemeinschaft und damit den Schutz, den sie von Rom zur Ausuebung ihrer Religion genossen. Und offensichtlich verbuendeten sie sich sogar mit den Anhaengern des Kaiserskults, um zu versuchen, die Verfolgung von sich selbst abzulenken. »...sondern eine Versammlung des Satans.«Vom Gottesdienst zur Satansverehrung ist oft nur ein kleiner, aber unheimlicher Schritt. Wer sich mit den Feinden des Glaubens gegen die Glaubenden verbindet, und sei dies nur zum eigenen Schutz, der hat diesen Schritt getan.

»Und fuerchte dich nicht wegen dem, was du leidest...Halte Treue bis zum Tod« In die von ihren Umstaenden hart gepruefte Gemeinde und zu den Glaeubigen spricht der Herr Jesus diese Trostworte. Das Unbegreifliche, dass der Teufel seine Hand gegen die Gemeinde des Staerkeren erhebt, aber gleichzeitig auch "das Unerhoerte, in Gottes Hand zu sein!" (Dag Hammerskjoeld, ehemaliger UNO-Sekretaer). Ueberall, auch im Gefaengnis oder sogar im Tod, werdet ihr im Macht- und Lebensbereich des Auferstandenen bleiben. Nichts und niemand kann euch jemals aus meiner Hand reissen, sagt der Herr. Auch wenn ihr im dunklen Todestal wandert, bleibe ich bei euch und die Zeit der Truebsal ist von Gott ganz klar abgegrenzt, bestimmt und zugelassen. Der Teufel kann nicht hemmungs- und grenzenlos gegen euch wueten, sondern nur in dem Mass, wie Gott dies zulaesst- »zehn Tage lang«. Das einzige, was Jesus erwartet, ist Treue. Die Art von Treue, die lieber das eigene Leben fahren laesst als Jesus. Der Gemeindeleiter von Smyrna, Polykarp, hat wenige Jahrzehnte spaeter diesem Wort als greiser Mann gehorcht, als er 155 n.Chr. den roemischen Behoerden erklaerte: "Wie sollte ich meinen Koenig laestern, der mich erloest hat?" Er starb dafuer als Maertyrer und verherrlichte seinen Koenig Jesus Christus. Es kommt eben im Koenigreich Gottes nicht auf grosse Werke, sondern nur auf die Treue an!

Im ganzen Brief an die Gemeinde in Smyrna ist kein einziger Tadel zu finden! Gab es keinen Grund zum Tadel? Fuer Gott nicht. Bestimmt haben die Glaeubigen in Smyrna in ihrer harten Verfolgung auch gejammert, vielleicht sogar gezweifelt oder wie Hiob den Tag ihrer Geburt verwuenscht. Wenn wir unbedingt einen Grund zur Kritik suchen wollten, wir wuerden ihn auch an der Gemeinde in Smyrna finden. Doch der barmherzige, mitfuehlende und grossartige Gott der Bibel weiss, dass Menschen, die in solchen Umstaenden wie die Gemeinde in Smyrna stecken, nicht auch noch Tadel noetig haben. Statt dessen benoetigen sie Worte des Trostes, Zuspruch und Ermutigung, ohne gleich ins Sentimentale abzufallen. Und diesen empfangen sie auch. Ich persoenlich und wir alle koennten davon einiges lernen.

Alle zitierten Bibelstellen stammen aus einer eigenen Uebertragung aus dem griechischen Grundtext

David Kleist


© by new ways ministries, 1994

einfuehrung / inhaltsverzeichnis