pfingstgemeinde interlaken

Predigtserie "7 Sendschreiben" - 3. Pergamon


»Und dem Engel der Gemeinde in Pergamon schreibe. Dies sagt, der das grosse, zweischneidige und scharfe Schwert traegt. Ich weiss, wo du wohnst. dort wo der Thron des Satans ist, und du hast hast meinen Namen festgehalten und meinen Glauben nicht verleugnet auch in den Tagen meines zuverlaessigen Zeugen Antipas, der bei euch getoetet wurde. Aber ich habe ein wenig gegen dich, dass du festgehalten hast an der Lehre Bileams, welcher den Balak lehrte, den Soehnen Israels einen Anstoss zur Suende vorzuwerfen, Goetzenopferfleisch zu essen und zu huren. Auch haeltst du in gleicher Weise fest an der Lehre der Nikolaiten. Darum aendere deine Gesinnung! Sonst komme ich schnell zu dir und fuehre Krieg mit ihnen durch das grosse Schwert aus meinem Munde. Wer Ohren hat, der hoere, was der Geist den Gemeinden sagt. Wer siegreich ueberwindet, der wird mit dem verborgenen Manna beschenkt und einem weissen Stein, auf welchem der neue Name geschrieben wird, welcher niemand kennt, ausser dem, der ihn empfangen hat.« (Offenbarung 2:12-17 )

Pergamon, an dessen Gemeinde sich das dritte Sendschreiben richtet, ist von den sieben Staedten der Sendschreiben der beeindruckenste und darum wohl auch die gefaehrlichste Ort. Pergamon war eine beruehmte Universitaetsstadt der Antike, ein Zentrum der Bildung, Kunst und Wissenschaft. Viele Beamte und reiche Buerger des roemischen Imperiums besassen in der Stadt prachtvolle Villen. Die dortige Bibliothek war die zweitgroesste des Imperiums (nach Alexandria) und umfasste ueber 200'000 Buecher und Schriften. Der Begriff "Pergament" wurde nach dieser Stadt gepraegt. Pergamon war auch Wohnsitz des roemischen Statthalters (Amtssitz in Ephesus) und war vor allem religioeses Zentrum mit vielen Heiligtuemern, einem prunkvollen Zeustempel ganz aus Marmor, eines der sieben Weltwunder der Antike, ein Heiligtum des Gottes der Heilung Asklepios mit einer "wunderkraeftigen" Heilquelle (das Lourdes des Altertums). So hatte Pergamon als Ort ein aufregendes Fluidum, denn dort trafen politische Macht, religioeser Prunk und akademische Bildung zusammen. Und vielleicht gerade deswegen, durch diese Konzentration von unerloester Macht sagt der auferstandene Jesus Christus, dass Pergamon eine Stadt unter der Herrschaft Satans sei »...dort wo der Thron des Satans ist.«

Doch inmitten dieser Machtkonzentration, der Beeinflussung durch Gelehrsamkeit und Reichtum ausgesetzt, lebt eine Gemeinde, von der der Herr Jesus sagt: »Ich weiss, wo du wohnst!« Umgeben von glaenzenden Philosophien, klingenden Namen, prachtvollen Gebaeuden und lustvollen heidnischen Kulten zu leben ist nicht einfach. Sich an einem Ort aufhalten zu muessen, der durch die Herrschaft des Feindes Gottes, des Luegners und Menschenmoerders Satan gepraegt wird, verlangt von einer Gemeinde und vom einzelnen Glaeubigen besondere Wachsamkeit und Kompromisslosigkeit. Das Wesen der Verfuehrung ist es ja, uns die Dinge so schmackhaft zu machen, dass wir geneigt sind, den scheinbar bequemeren, lust- und verheissungsvolleren Weg zu waehlen, ohne uns ueber den wahren Preis aufzuklaeren, den wir dafuer zu bezahlen haben. Gott hingegen hat das Preisschild klar und deutlich sichtbar an sein Evangelium gehaengt, so dass jeder die Kosten ueberschlagen kann. Diese Gemeinde in Pergamon jedoch hat am Namen von Jesus Christus festgehalten, sie ist der Versuchung widerstanden, sich von anderen, glaenzenderen, bekannteren, scheinbar lebensnaeheren Namen blenden zu lassen und ist treu geblieben »...und du hast hast meinen Namen festgehalten und meinen Glauben nicht verleugnet .« Die Glaeubigen in Pergamon haben sich nicht nur dem Treiben der heidnischen Kulte verweigert, sondern hielten am Bekenntnis fuer Jesus Christus selbst dann fest, als es kritisch, lebensgefaehrlich wurde »...in den Tagen meines zuverlaessigen Zeugen Antipas, der bei euch getoetet wurde.« Die Ueberlieferung sagt, dass Antipas sich weigerte, den Kaiser als Gott zu verehren und dann in ein eisernes Goetzenbild eines Stieres gesperrt wurde. Unter dem Eisenstier wurde dann ein Feuer entzuendet, bis Antipas verbrannt war. Aus dem bekennenden Zeugen fuer Jesus Christus war ein Maertyrer, ein Blutzeuge geworden.

»Aber ich habe ein wenig gegen dich...« - Trotz der Anerkennung der tapferen und treuen Haltung muss Jesus Christus die Gemeinde in Pergamon auch tadeln. Und wie es ihr ergangen ist, geschieht es oft auch uns. Indem sie sich auf eine Sache intensiv konzentrieren, ihren Kampf auf einen Punkt ausrichten, merken sie nicht mehr, dass sie an einem anderen Punkt nachlaessig werden und dem Feind eine Angriffsflaeche bieten. Und besonders an dem Ort, wo der Satan herrscht, darf sich eine Gemeinde und im Grunde jeder einzelne Glaeubige keine, auch nicht geringfuegige Zugestaendnisse leisten. Der Tadel richtet sich gegen das Zulassen der Lehre Bileams und der Nikolaiten. Die Lehre Bileams stand fuer eine tolerante Haltung gegenueber der heidnischen Kulte, die Idee, dass sich schlussendlich doch alles um den einen Gott dreht und es keine Rolle spielt, welchen Weg der einzelne dahin beschreitet. Es ging konkret darum, dass es als Christ ohne weiteres moeglich sei, an den Festlichkeiten in dem Goetzentempeln teilzunehmen, verbunden mit dem Essen von Goetzenopferfleisch und sich anschliessend mit den Tempeldirnen zu vergnuegen. Die von der griechischen Philosophie beeinflusste Lehre der Nikolaiten, die sagte, dass der Geist des Menschen wichtig sei und der Koerper unwichtig, unterstuetzte dies natuerlich noch. denn wenn der Koerper unwichtig ist, spielt es auch keine Rolle, was ich mit ihm anstelle, solange es keinen Einfluss auf den Geist hat. Die Bibel und Jesus Christus selbst warnt sehr eindringlich vor diesen Ueberzeugungen und fordert die Glaeubigen in Pergamon und bis zum heutigen Tage auf: »Darum aendere deine Gesinnung! Sonst komme ich schnell zu dir und fuehre Krieg mit ihnen durch das grosse Schwert aus meinem Munde.« Die Gemeinde und damit jeder einzelne Glaeubige soll sich ganz klar von diesen gefaehrlichen Lehren trennen, notfalls von ihren Vertretern.

Damit wird ein bis zum heutigen Tage wichtiges Problem angesprochen. Die Bibel sagt: »Wie der Mensch denkt, so ist er!« Das, was sich an Ueberzeugungen und Meinungen hinter unserem Denken verbirgt, was die Grundlage unseres Glaubens (sei der nun christlich oder nicht) hat im letzten seine Konsequenz auf die Art und Weise, wie wir unser Leben fuehren, warum wir so und so handeln. Die Lehre, die wir unterbewusst zu unserem Lebensfundament gemacht haben, fuehrt dazu, dass wir so sind, wie wir sind. Damit sehen wir zweierlei: Lehren, die uns vermittelt werden, haben immer einen Einfluss auf unser Leben und zweitens, sollten wir uns bewusst machen, welche Lehren unser Lebensfundament bilden. Aus diesem Grunde fordert uns die Bibel auf, unser Denken zu pruefen und vom Wort Gottes mit der Hilfe des heiligen Geistes veraendern zu lassen. Dies ist auch die Bedeutung des scharfen und zweischneidigen Schwertes, das aus dem Mund von Jesus Christus kommt. Es ist das Wort Gottes, das Rhema. Es ist dieses Buch, das von sich beansprucht, die Wahrheit zu sein, der Massstab, an dem letztendlich alles gemessen wird. Und deshalb sollen &endash; nein, muessen wir unser Denken, unsere Ueberzeugungen und Meinungen nach den Aussagen dieses Buches ausrichten, korrigieren und veraendern lassen. Es ist die Aufgabe der Gemeinde, dieses Schwert des Geistes (Epheser 6:17 ) zu ergreifen und zu benutzen. Sonst, und das macht Jesus im Sendschreiben sehr deutlich, wird dasselbe Wort sich gegen sie richten. Hoert gut zu: Gott verurteilt niemanden und es ist auch nicht die Aufgabe der Gemeinde oder der Glaeubigen, Menschen zu verurteilen. Wer es trotzdem tut, der handelt gegen Gottes Absicht. Es ist dieses Wort, das du und ich gehoert haben, das uns verurteilt, richtet. Das Wort der Bibel, das wir hoeren, ist entweder unser Retter oder unser Richter. Entscheidend ist bloss, wie wir mit dem gehoerten Wort umgegangen sind. Haben wir es aufgenommen, sind wir darauf eingegangen und haben danach gehandelt oder haben wir es abgelehnt? Das Wort rettet dich oder es richtet dich. darum sagt Jesus: ich bin nicht gekommen, zu richten, sondern zu retten. Wer meine Worte hoert und danach handelt, der wird gerettet, wer es nicht tut, der ist schon verurteilt!» Moege Gott jedem einzelnen von uns die Gnade geben, durch diese Botschaft gerettet zu werden und Taeter seines Wortes zu sein!

Alle zitierten Bibelstellen stammen aus einer eigenen Uebertragung aus dem griechischen Grundtext

David Kleist


© by new ways ministries, 1994

einfuehrung / inhaltsverzeichnis