pfingstgemeinde interlaken

Predigtserie "7 Sendschreiben" - 4. Thyatira


»Und dem Engel der Gemeinde in Thyatira schreibe. Dies sagt der Sohn Gottes, der Augen wie feurige Flammen hat und Fuesse wie Golderz. Ich weiss deine Werke und die Liebe und den Glauben und den Dienst und deine Geduld und dass deine letzten Werke groesser sind als die ersten. Aber ich habe gegen dich, dass du die Frau Isebel gewaehren laesst, die sich selbst eine Prophetin nennt und meine Diener verfuehrt zu huren und Goetzenopferfleisch zu essen. Und ich gab ihr Zeit, ihre Gesinnung zu aendern, doch sie will nicht Busse tun aus ihre Hurerei. Siehe, ich werfe sie ins Bett und die die Ehe mit ihr brechen in grosse Truebsal, wenn sie nicht die Gesinnung aendern von ihren Werken und ihre Kinder werde ich toeten. Und es werden alle Gemeinden erkennen, dass ich es bin, der Herz und Nieren erforscht und einem jedem nach seinen Werken vergilt. Euch aber sage ich, den Uebrigen in Thyatira, die nicht diese Lehre teilen und die Tiefen des Satans erkennen, wie sie sagen; ich lege keine andere Last auf euch; nur haltet fest, was ihr empfangen habt, bis ich komme. Wer siegreich ueberwindet und meine Werke bis ans Ende festhaelt. dem will ich Macht verleihen ueber die Voelker. Und er wird sie mit eisernem Stab weiden, wie man toepferne Gefaesse zerschlaegt, wie auch ich von meinem Vater empfangen habe. Und ich gebe ihm den Morgenstern. Wer ein Ohr hat, der hoere, was der Geist den Gemeinden sagt.« (Offenbarung 2:18-29 )

Waehrend Ephesus, Smyrna, Pergamon und Laodizea die bekannten, die schillernden und hochstehenden Namen von reichen und bluehenden Staedten dieser Zeit waren, eroeffnet Thyatira den Reigen der drei eher unbedeutenden Staedte. Thyatira in der Provinz Lydien hatte als Ort der Stoffindustrie eine gewisse Bedeutung, hier wurden Stoffe mit dem damals teuren und beliebten Purpur eingefaerbt. Diese Stoffindustrie war in zahlreiche Zuenfte unterteilt und es war ohne Mitgliedschaft in einer diesen Zuenfte praktisch unmoeglich, in dieser Stadt ueberhaupt ein Handwerk oder Geschaeft zu betreiben. Fuer die Christen ergab sich daraus ein grosses Problem, denn in diesen Zuenften herrschten Goetzendienst, okkulte Praktiken und sexuelle Ausschweifungen.

Thyatira begegnet uns in der Apostelgeschichte das erste Mal (Apg. 16:14 ): Die Purpurhaendlerin Lydia aus Thyatira war der erste Mensch, der sich auf europaeischem Boden in Philippi Christ wurde! Somit ist die Stadt zumindest im Himmel gut bekannt, weil sie Anlass zu einer Freudenparty gab!

Obwohl die Gemeinde in Thyatira klein und unbedeutend war, spricht der auferstandene Christus sie mit mit machtvollen Worten an: »Dies sagt der Sohn Gottes, der Augen wie feurige Flammen hat und Fuesse wie Golderz. Ich weiss deine Werke und die Liebe und den Glauben und den Dienst und deine Geduld und dass deine letzten Werke groesser sind als die ersten.« Vor ihm, dem Sohn Gottes mit Augen wie Feuerflammen, kann sich nichts und niemand verbergen. Menschen moegen denken, das Dinge nie offenbar werden koennen, und es mag in gewissen Dingen so scheinen, doch vor dem lebendigen Gott ist alles offenbar! Und er hat Fuesse wie Golderz, vor dem nichts besteht! Das Bild, das diese Beschreibung uns hier offenbart ist dasjenige der Richters &endash; Das Auge und die Vollmacht des Richters, vor dem letztlich alles gerichtet wird. Jesus Christus spricht die Gemeinde in Thyatira aus einem besonderen Grund so an. Es hat mit ihrem Problem und ihrer Denkart zu tun:

Wie ich schon erwaehnt, war es durch die Eigenart der in sich geschlossenen Zuenfte und Buende in dieser Stadt sehr schwierig, wenn nicht fast unmoeglich, ohne Mitgliedschaft in einem dieser Zuenfte seinen Beruf auszuueben und damit seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Die Mitgliedschaft in einer solchen Zunft aber war fuer einen Christen andererseits wegen der Erwartungen bezueglich Goetzedienst und Lebensstil nicht moeglich. Und so standen die Christen vor einem Dilemma. Wollten sie ihren Lebensunterhalt verdienen, dann mussten sie Kompromisse in ihrem Glauben eingehen, wollten sie aber Jesus Christus mit gutem Gewissen dienen, dann mussten sie Armut und Verfolgung wirtschaftlicher und beruflicher Art in Kauf nehmen. Das war ihr Problem!

Und darum ermutigt sie Jesus Christus auf der anderen Seite, dass er um diese Kaempfe und Auseinandersetzungen weiss und wie oft sie um die richtige Entscheidung gerungen haben. Andererseits muss er sie aber tadeln, weil sie eben letztlich doch Kompromisse eingingen: »Aber ich habe gegen dich, dass du die Frau Isebel gewaehren laesst.«

Rein menschlich und als guter Schweizer Buerger bringen wir fuer diese kompromissbereite Haltung Verstaendnis auf. Die armen Kerle in Thyatira mussten ja auch von irgendetwas leben koennen! Gott aber toleriert es nicht! Er bezeichnet Kompromisse dieser Art als Ehebruch, denn die Gemeinde ist seine Braut, die sich nicht mit anderen Goetzen einlassen kann. Wir wuerden jeden Braeutigam etwas schief angucken, der es einfach gelassen zulaesst, dass seine Braut mit jedem x-beliebigen Mann flirten kann. natuerlich ist Treue in unserer heutigen Gesellschaft kein aktuelles Wort, aber es ist ein biblisches Wort! Und fuer mich steht dieses Buch als Wort Gottes immer noch ueber jeder menschlichen Gesellschaft. Gott toleriert keine Kompromisse, egal, wie viel Ausreden wir dafuer vorbringen moegen. Darin ist er ein eifersuechtiger Gott! Ganz zu schweigen von davon, dass der Kompromiss, den die Christen in Thyatira duldeten, eine Misstrauenserklaerung gegenueber Gott war. hat nicht er verheissen, wenn wir zuerst nach Ihm, seinem Reich und seiner Gerechtigkeit trachten, uns alles andere, was wir fuer den Lebensunterhalt benoetigen, wir all dies erhalten? Warum vertrauen wir dann nicht seiner Versorgung, sondern versuchen in unserer eigenen Kraft und durch Kompromisse Auswege zu schaffen?

Gott verwirft die Christen, welche falsch gehandelt haben, nicht! Er gibt ihnen Zeit, ihre Gesinnung zu aendern &endash; Busse zu tun&endash; doch ist diese Zeit befristet! Busse zu tun ist nicht einfach ein Dauerangebot. Gott gibt die Gelegenheit dazu und er setzt die Frist. Darum ermahnt uns ja auch die Bibel: »Heute, wenn ihr seine Stimme hoert, verstockt eure Herzen nicht!« (Hebraeer 3:7 ) Man muss die Gelegenheit beim Schopf packen, wenn sie da ist! der Aufruf zur Gesinnungsaenderung kann durch beides geschehen: Durch den ermahnenden Aufruf des Wortes Gottes und des heiligen Geistes oder auch durch Truebsal und Schwierigkeiten. Das Bett, auf das Gott die falsche Prophetin Isebel, heisst griechisch "klinæ" - von dem unser Wort Klinik stammt und bedeutet Krankenlager. Sie hat nicht auf das Reden Gottes hoeren wollen, also gibt Gott ihr und ihren Anhaengern noch eine Chance durch Schwierigkeiten, Not und Truebsal, ihre Gesinnung doch noch zu aendern. Eines aber steht fest &endash; Ihre Werke, »ihre Kinder«, das was aus diesem Kompromiss heraus entstanden ist, wird nicht weiter bestehen sondern sterben und untergehen. Es ist in menschlicher Kraft mit Einfluessen des reiches der Finsternis entstanden, hat darum keine Bedeutung fuer die Ewigkeit und damit kein Platz in Gottes Reich.

»Und es werden alle Gemeinden erkennen, dass ich es bin, der Herz und Nieren erforscht und einem jedem nach seinen Werken vergilt.« Darum soll die Gemeinde in Thyatira und von da an zu allen Zeiten und in allen Laendern bis nach Interlaken an dem festhalten, was sie von Gott empfangen hat. Egal, welche Nachteile dem einzelnen oder der ganzen Gemeinde daraus erwachsen. Der scheinbar momentane Gewinn des Kompromisseingehens wird sich laengerfristig als Verlust erweisen und umgekehrt der momentane Verlust letztlich als Gewinn! So oder so, durch Segen oder Truebsal wird offenbar werden, dass Gott es ist, der Herz und Nieren erforscht - mit anderen Worten- der alles sieht und alles weiss. Und er ist es auch, der die letzte Beurteilung ueber unseren Werken spricht, ob sie bestehen werden, weil sie in ihm, in seiner Kraft getan sind oder ob sie sterben und untergehen.

Alle zitierten Bibelstellen stammen aus einer eigenen Uebertragung aus dem griechischen Grundtext

David Kleist


© by new ways ministries, 1994

einfuehrung / inhaltsverzeichnis