pfingstgemeinde interlaken

Predigtserie "7 Sendschreiben" - 6. Philadelphia


»Und dem Engel der Gemeinde in Philadelphia schreibe. Dies sagt der Heilige und Wahrhaftige, der den Schluessel Davids hat; der oeffnet und niemand zuschliesst, und zuschliesst und niemand oeffnet. Ich kenne deine Werke, siehe, ich habe vor dir einen offene Tuer gegeben, welche niemand zuschliessen kann; denn du hast eine kleine Kraft und hast meine Worte bewahrt und meinen Namen nicht verleugnet. Siehe, ich gebe aus der Synagoge des Satans, die sich selbst Juden nennen und es nicht sind, sondern Luegner; siehe, ich werde sie herbeifuehren, damit sie kommen werden und kniefaellig vor deinen Fuessen anbeten und erkennen werden, dass ich dich geliebt habe. Weil du die meine Worte der Ausdauer bewahrt hast, werde ich dich in den Stunden der Pruefung bewahren, die ueber die ganze bewohnte Erde kommen wird, um ihre Bewohner zu pruefen. Ich komme bald. Halte fest, was du hast, damit niemand dir deine Krone wegnimmt. Wer siegreich ueberwindet, den will ich zu einer Saeule im Tempel meines Gottes machen und er wird dann nicht mehr hinausgehen; und ich will auf ihn den Namen meines Gottes schreiben und den Namen der Stadt meines Gottes, das neue Jerusalem, das aus dem Himmel von meinem Gott herabkommt; und meinen Namen, den Neuen. Wer Ohren hat,der hoere, wie der Geist zu den Gemeinden spricht.« (Offenbarung 3:7-13 )

Ich habe schon wiederholt ausgefuehrt, dass wir in den sieben Sendschreiben zwei sehen, in denen der auferstandene Jesus Christus an der Gemeinde, an die das Schreiben gerichtet ist, keinen Grund zum Lob sieht. Diese beiden Gemeinden sind Sardes, die tote Gemeinde, und Laodizea, die lauwarme Gemeinde. Ebenso gibt es zwei Gemeinden, an denen der Herr nichts zu tadeln findet: Smyrna, die aeusserlich arme und verfolgte Gemeinde und die hier vorliegende Gemeinde in Philadelphia. Die restlichen drei Gemeinden in Ephesus, Pergamon und Thyatira empfangen sowohl Lob wie auch Tadel.

Das Philadelphia der Antike &endash; nicht die heutige Metropole im Osten der USA&endash; war eine kleine unbedeutende Stadt, etwa 50 Kilometer suedoestlich von Sardes und 120 Kilometer oestlich von Smyrna. Philadelphia lag am Nordfuss des Tmolusgebirges und war nach ihrem Gruender Attalos II Philadelphos von Pergamon benannt. Das gleiche Erdbeben, das 17 n.Chr. Sardes zerstoerte, traf auch Philadelphia und Kaiser Tiberius liess diese Staedte wieder aufbauen. Philadelphia war der Mittelpunkt eines grossen Weinanbaugebietes und hatte durch den Weinhandel einen wirtschaftlichen Hintergrund. Der Weinhandel hatte aber auch seine Kehrseiten: Die Verehrung des Gottes des Weines und des Vergnuegens Bacchus und der Alkoholismus waren Probleme, mit denen sich die christliche Gemeinde konfrontiert sah. Das Hauptproblem aber schien laut dem Brief die starke und einflussreiche Juedische Bevoelkerung von Philadelphia zu sein, die der christlichen Gemeinde wie auch in Smyrna zusetzte.

Es ist jedoch nicht verwunderlich, dass Jesus Christus die Gemeinde in Philadelphia nicht zu tadeln hatte. Der Name Philadelphia allein spricht Baende und sagt etwas ueber die dortigen Christen &endash; er bedeutet naemlich woertlich: "Bruderliebe". Ganz offensichtlich war die gegenseitige Liebe in dieser Gemeinde nicht nur ein Lippenbekenntnis, sondern ein tagtaeglich praktizierter Lebensstil. Das bedeutet bestimmt nicht, dass die Christen in Philadelphia nicht auch Beziehungskonflikten miteinander kannten. Aber sie liessen diese nicht einfach anstehen oder wichen ihnen aus Bequemlichkeit aus, sondern sie stellten sich den Problemen und versuchten, sie im Geist der Liebe zu loesen. ganz bestimmt haette es auch in Philadelphia Dinge zu bemaengeln gegeben. Wenn Christus ein enger, kleinkarierter Pedant waere, wie wir das das oft miteinander sein koennen, dann haette er bestimmt Anlass zum Tadel gefunden! Doch wie sagt es die Bibel? »Die Liebe deckt eine Menge Suenden zu!« (1.Petrus 4:8 ). Durch die Augen der Liebe gesehen verschwinden Dinge, die den Pedanten und Perfektionisten stoeren.

Aber es faellt uns noch mehr auf in diesem Zusammenhang. Jesus Christus sagt der Gemeinde in Philadelphia zweimal: »...und hast meine Worte bewahrt und meinen Namen nicht verleugnet ...Weil du die meine Worte der Ausdauer bewahrt hast.« Die Liebe war ganz offensichtlich die Motivation der Christen in Philadelphia, am Wort Gottes, der Bibel festzuhalten und danach zu handeln und zu leben. Der Begriff 'festhalten' bedeutet hier nicht intellektuell, verstandesmaessig in Erinnerung zu behalten oder auswendig zu wissen, sondern praktisch danach zu handeln. Sie haben als nach den Geboten Gottes gehandelt, die sie gehoert und erkannt hatten. Sie haben genau das getan, was Christus verkuendigte: »Liebt ihr mich, so haltet meine Gebote!« (Johannes 14:15 ). Denn der Gehorsam gegenueber Gottes Wort und die liebe sind miteinander untrennbar verbunden. Paulus sagte: »Die Summe (oder der Endzweck) des Gebots ist Liebe aus reinem Herzen und gutem Gewissen und ungeheucheltem Glauben!« (1.Timotheus 1:5 ) oder mit anderen Worten ausgedrueckt: Wer so liebt, der hat alle Gebote schon gehalten! der Gehorsam gegenueber Gottes Wort, seinen Geboten, soll nicht ein leistungsmaessiger Krampf sein, religioese Pflichterfuellung aus eigener Anstrengung. dazu hatten die Christen in Philadelphia gar keine Kraft, denn der Herr stellt ihnen die Diagnose: »...denn du hast eine kleine Kraft!« Die Christen in Philadelphia wussten, dass sie nicht in ihrer eigenen Kraft etwas zustande bringen konnten, sondern voellig von der Kraft ihres Herrn abhaengig waren. Liebe ist kein Kraftakt! Wo du es aber trotzdem so siehst, dann hast du etwas gruendlich falsch verstanden. Liebe ist auch keine Gefuehl, sondern eine Entscheidung. Und diese Art von Liebe, die uns hier in Philadelphia demonstriert wird, hat auch klare und konkrete Auswirkungen: »Weil du die meine Worte der Ausdauer bewahrt hast, werde ich dich in den Stunden der Pruefung bewahren.« So, wie wir mit Gottes Wort umgehen, so geht auch Gott mit uns um! Die Haltung der Christen in Philadelphia, die durch Liebe motiviert war, brachte ihnen grossartigen Zusagen Gottes: Bewahrung vor der Grossen Truebsal; einen Platz in der Naehe Gottes (»...du wirst nicht mehr hinausgehen« ), so gering die Kraft jetzt ist, spaeter wirst du eine wichtige, tragende Aufgabe uebernehmen (»Saeule im Tempel« ), Zugang zum neuen Jerusalem, der himmlischen Stadt, und die Zugehoerigkeit zu Gott, dem neuen Jerusalem und zu Jesus wird schriftlich gegeben werden (»...und ich will auf ihn...schreiben« )! Aber nicht nur fuer die Zukunft hat es Auswirkungen, sondern schon fuer jetzt, fuer das Heute: »Siehe, ich habe vor dir einen offene Tuer gegeben, welche niemand zuschliessen kann.« Die Liebe oeffnet die Tueren, und fuer die Gemeinde in Philadelphia stand die Tuere zum Herzen Gottes staendig offen. Sie bewegten mit ihrer kleinen Kraft vielleicht sehr wenig bis gar nichts in ihrer Umgebung, aber ihre Liebe bewegte das Herz des allmaechtigen Schoepfergottes!

Und dann bedeutet die offene Tuere auch eine missionarische, evangelistische Moeglichkeit, den freien Zugang zu den Menschen. Und es ist im Grunde auch logisch. Eine Gemeinde, die den Namen "Philadelphia" (Bruderliebe) als Ausdruck ihres Wesens traegt, die wird Aufsehen erregen, trotz Verfolgung, Verachtung und Gespoett. Denn die Liebe ist der wahre Evangelist, nicht die religioese Pflicht! Jesus sagte, wenn wir einander lieben, dann wird die Welt erkennen, dass wir seine Juenger sind &endash; dann wird sie einen funktionierenden, gesunden Leib Christi sehen, die Gemeinde, und durch ihn den Herrn Jesus Christus selbst. Wenn wir beginnen, Gott zu lieben, von ganzem Herzen, mit ganzer Seele, mit ganzer Kraft und all unserem Denken, einander hoeher zu achten als uns selbst, dann wird ganz logisch auch eine Liebe fuer die Brueder und Schwestern entflammen, die jetzt noch draussen sind ohne Christus!

Philadelphia ist uns als ein Beispiel gegeben. Wollen wir ihnen, die uns vorausgegangen sind, heute nachfolgen &endash; nicht in eigener Kraft, sondern in Abhaengigkeit von Gott, der uns dazu durch seinen Geist die Kraft gibt und die notwendige Liebe in unsere Kerzen ausgegossen hat.

Alle zitierten Bibelstellen stammen aus einer eigenen Uebertragung aus dem griechischen Grundtext

David Kleist


© by new ways ministries, 1994

einfuehrung / inhaltsverzeichnis