pfingstgemeinde interlaken

Predigtserie "7 Sendschreiben" - 7. Laodizea


»Und dem Engel der Gemeinde in Laodizea schreibe. Dies sagt der Amen, der treue und wahrhaftige Zeuge, der Anfang der Schoepfung Gottes. Ich kenne deine Werke, dass du weder kalt bist noch kochend heiss. O, dass du doch kalt waerest oder kochend heiss! So, weil du lauwarm bist und weder kochend heiss noch kalt, werde ich dich ausspeien aus meinem Mund. Weil du sagst: Ich bin reich und ich bin reich geworden und habe keinen Mangel und nicht weisst, dass du muehselig bist und bemitleidenswert und bettelarm und blind und nackt, rate ich dir, von mir durch Feuer gegluehtes Gold zu kaufen, damit du reich wirst und weisse Kleider, damit du bekleidet wirst und die Schande deiner Nacktheit nicht sichtbar wird; und Augensalbe, deine Augen einzusalben, damit du siehst. Ich ueberfuehre alle, die ich liebe und erziehe sie. Sei also eifrig und aendere deine Gesinnung. Siehe, ich stehe vor der Tuere und klopfe an. Wenn jemand meine Stimme hoert und die Tuere oeffnet, werde ich zu ihm hineingehen und mit ihm essen und er mit mir. Wer siegreich ueberwindet, werde ich geben, mit mir auf meinem Thron zu sitzen, wie auch ich siegreich ueberwand und mich gesetzt habe mit meinem Vater auf seinem Thron. Wer Ohren hat,der hoere, wie der Geist zu den Gemeinden spricht.« (Offenbarung 3:14-22 )

Wir sind heute beim letzten, dem siebten Sendschreiben angelangt. Es ist wohl das bekannteste aller Sendschreiben, weil es immer wieder so ausgelegt wird, dass es den Zustand der Gemeinde Jesu in unserer heutigen Zeit beschreiben wuerde. Nun, ich denke, dass diese Auslegungsweise nicht falsch ist, aber letztlich beschreiben alle Sendschreiben Punkte, die sich zu jeder Zeit und auf jede Gemeinde zutreffen. Doch wenden wir uns dem Sendschreiben an Laodizea zu.

Laodizea ist von allen sieben Staedten die reichste Stadt. Sie lag etwa 50 Kilometer oestlich von Ephesus am Lykosfluss in Phrygien gelegen im Schnittpunkt von wichtigen Handelsstrassen. Ihre Lage und ihre Wirtschaft machte die Einwohner von Laodizea sehr reich: Sie hatten eine bluehende Leinen- und Wollwarenindustrie, ein beruehmtes Bankwesen und eine aerztliche Akademie, welche Medikamente und kosmetische Artikel herstellte und in das gesamte roemische Imperium lieferte (Beaengstigende Paralellen zur Schweiz!). Dies alles fuehrte dazu, dass Laodizea einen sehr hohen Wohlstand und Lebensstandard genoss. Eine beruehmte Rennbahn und drei grosse Theater, von denen das groesste eineinhalbmal so gross war wie ein heutiger Fussballplatz, zeugten aeusserlich von diesem Wohlstand.

Die Gemeinde in Laodizea war noch waehrend der Zeit des Apostels Paulus gegruendet worden, vermutlich durch seinen Mitarbeiter Epaphras (Kolosser 4:13 ) und sie war Mitempfaengerin des Kolosserbriefs (Kolosser 4:16 ). Ungefaehr dreissig Jahre spaeter finden wir dort eine Gemeinde vor, die in einen elenden geistlichen Zustand versunken ist und von Jesus Christus die haertesten Tadel- und Drohworte empfaengt, aber auch die innigste Werbung und die groesste Verheissung alle Sendschreiben! Wie schon oft ausgesagt, kann der auferstandene Christus an der Gemeinde kein Lob finden, sondern hat nur Tadel, wegen der selbstzufriedenen Angleichung an ihre heidnische Umwelt durch den Wohlstand, an dem sie auch teilhatten. »Ich kenne deine Werke, dass du weder kalt bist noch kochend heiss. O, dass du doch kalt waerest oder kochend heiss!« In der Naehe der Stadt Laodizea gab es heisse Heilquellen, aus denen man eben auch die erwaehnten medizinischen und kosmetischen Artikel gewann. Das heisse Wasser floss dann weiter, kuehlte sich ab und floss dann kalt in den Lykosfluss. Bei einer bestimmten Temperatur, nicht mehr kochend heiss, aber auch noch nicht kalt &endash;lauwarm&endash; begann dieses Wasser zu stinken! Ihr habt sicher auch schon solche Heilquellen gerochen, die nach faulen Eiern oder was weiss ich gerochen haben! Genau das ist das Bild, das Jesus hier gebrauchte und den Christen in Laodizea natuerlich sehr gut be kannt war. »So, weil du lauwarm bist und weder kochend heiss noch kalt, werde ich dich ausspeien aus meinem Mund.« Jesus sagt, dass er diese Art von Gemeinde, das geistliche lauwarm sein, verachtet, ja, dass es stinkt und er solche Christen erbrechen werde (was die wortwoertliche Uebersetzung von "ausspeien" waere!). O, dass du doch entweder kochend heiss oder dann eben wirklich kalt waerest! Aber dieses Hin und Her, dieses auf beiden Seiten hinkenwollen, es mit der nichtchristlichen Umgebung und auch der Gemeinde nicht ganz verderben zu wollen, sich weder noch zu entscheiden ist das Grauenhafte! Und dann spricht Christus ihr Interesse am materiellen Wohlstand an, das fuer sie der Massstab des Erfolges im Leben bedeutete: Ein gut gefuelltes Portemonnaie oder ein stattliches Bankkonto und schicke Kleider! »Weil du sagst: Ich bin reich und ich bin reich geworden und habe keinen Mangel und nicht weisst, dass du muehselig bist und bemitleidenswert und bettelarm und blind und nackt.« Welch ein Gegensatz zu der Gemeinde in Smyrna, von der der Herr sagt, dass sie aeusserlich unter ihren Umstaenden leidet und arm ist, aber innerlich reich! Laodizea empfaengt gerade das gegenteilige Urteil. Aeusserlich zwar reich, aber innerlich arm, bettelarm, bloss und nackt! Und dann bricht die Liebe des guetigen Gottes in diesem Sendschreiben durch: »Darum rate ich dir, von mir durch Feuer gegluehtes Gold zu kaufen, damit du reich wirst und weisse Kleider, damit du bekleidet wirst und die Schande deiner Nacktheit nicht sichtbar wird; und Augensalbe, deine Augen einzusalben, damit du siehst.« Bemerkenswert, dass Jesus Christus die Christen in Laodizea nicht verwirft und sich von ihnen abwendet. Er warnt sie zwar, wenn sie in ihrem Zustand verbleiben, dass er sie dann ausspeien muss. Aber jetzt spricht er sie an wie ein vaeterlicher Freund, wie ein helfender Arzt: »Ich rate dir...kaufe von mir durch Feuer gegluehtes Gold, weisse Kleider und Augensalbe.« Er spricht sie an mit Dingen, die sie sehr gut kannten: Mit dem Gold des Bankwesens, mit den Kleidern der Stoffindustrie und der Augensalbe der Medizin.

»Die Bewaehrung eures Glaubens, die viel kostbarer ist als die des vergaenglichen Goldes &endash; das durchs Feuer erprobt wird.« (1.Petrus 1:7 ) Der aeusserliche Wohlstand, der hohe Lebensstandard und materieller Reichtum sind zu jeder Zeit Gift fuer den biblischen Glauben gewesen. Diese Dinge machen uns geistlich korrupt und es gibt sehr, sehr wenige Menschen, die damit richtig umgehen koennen. Ich weiss, dass es gewagt ist, diese Stelle so auszulegen, aber es scheint mit, dass der Herr selbst den lauen Christen in Laodizea raet, fuer Verfolgung und Anfechtung zu beten, damit ihr Glauben im Feuer geprueft und gereinigt werden kann. Anfechtung und Verfolgung, persoenliche druck- und notvolle Situationen brauchen uns gemaess der Bibel durchaus nicht zu befremden und zu verunsichern, sondern koennen heilende und reinigende Wirkung haben. Und nur durch den biblischen Glauben wird auch die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, erlangt &endash; die weissen Kleider, um die Schande der Nacktheit zu bedecken. Eine Anspielung auf Adam und Eva im Paradies, die ihre Gerechtigkeit durch die Suende verspielte hatten und entdeckten, dass sie nackt waren! Und dann sollten sie neu mit dem heiligen Geist erfuellt werden, der Salbung Gottes, dem Geist der Wahrheit, der uns die Augen oeffnet fuer unseren wahren Zustand und uns von der Illusion der Selbstgerechtigkeit erloest.

»Siehe, ich stehe vor der Tuere und klopfe an. Wenn jemand meine Stimme hoert und die Tuere oeffnet, werde ich zu ihm hineingehen und mit ihm essen und er mit mir.« Wir gebrauchen diesen Vers oft fuer Evangelisationen. Er ist jedoch eigentlich an Christen gerichtet! Jesus Christus steht vor unserer Gemeindetuere und klopft an. Er sehnt sich, danach, inmitten seines Volkes zu wohnen, er sucht unsere Naehe und Gemeinschaft. deshalb spricht er so ernst, weist zurecht, ermahnt, tadelt und erzieht uns. Es ist seine unbegreifliche Liebe, die ihn dazu treibt! Um das Bild der heissen Heilquelle wieder aufzugreifen; je naeher an der Quelle man die Wassertemperatur misst, desto heisser ist sie. Am heissesten ist sie in der Quelle selbst. In der Gemeinschaft mit ihm, ganz nahe bei ihm sind wir brennend, kochend heiss &endash; dem Zustand, der fuer uns als Einzelne, aber auch als Gemeinde "normal" sein sollte. wenn wir danach trachten, mit dem breiten Lykosfluss der "Welt" zu schwimmen und gleichzeitig der Quelle nahe zu sein, dann stecken wir irgendwo dazwischen und stinken geistlich uebelerregend!

Die laue Gemeinde in Laodizea empfing den haertesten Tadel und Zurechtweisung. Doch wenn sie auf das Reden und Werben ihres Herrn reagiert &endash; »Sei also eifrig und aendere deine Gesinnung« &endash; und Busse tut, ihre Gesinnung aendert, dann gilt gerade ihr die groesste und kuehnste, die kaum fassbare Zusage: »Wer siegreich ueberwindet, werde ich geben, mit mir auf meinem Thron zu sitzen, wie auch ich siegreich ueberwand und mich gesetzt habe mit meinem Vater auf seinem Thron.«

Gott hat gesprochen. Er hat seine Beurteilung abgegeben und nichts zurueckbehalten. Sein Reden war klar und manchmal vielleicht sogar unangenehm. Aus den sieben Sendschreiben wird eines deutlich &endash; er will eine erweckte Gemeinde! Eine Gemeinde der ersten Liebe, die nicht vor Leiden zurueckschreckt und Kompromisse eingeht, die erfuellt ist mit geistlichem Leben, sich in Geduld und Ausharren uebt und in inniger Gemeinschaft mit ihrem Herrn steht. Mehr gibt es nicht zu sagen. Der Ball liegt nun bei uns &endash; der Gemeinde in Interlaken oder zumindest einem Teil der Gemeinde in Interlaken. Wir muessen uns entscheiden, als einzelne Christen wie auch als ganze Gemeinde. Die Bibel macht es klar und deutlich, dass diese Entscheidung ein Kampf ist. Sie faellt uns nicht in den Schoss. Heute ist ein Wendepunkt. »Entscheidet euch heute, wem ihr dienen wollt &endash; ich aber und mein Haus, wir wollen dem Herrn dienen!«

Alle zitierten Bibelstellen stammen aus einer eigenen Uebertragung aus dem griechischen Grundtext

David Kleist


© by new ways ministries, 1994

einfuehrung / inhaltsverzeichnis